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Kooperativer Glasfaserausbau im ländlichen Raum - ein Veranstaltung des Deutschen Landkreistags gemeinsam mit der Deutschen Telekom

Der Ausbau hochleistungsfähiger Breitbandinfrastrukturen im ländlichen Raum stellt eine besondere Herausforderung dar. Weil die privaten Telekommunikationsunternehmen aufgrund der hohen damit verbundenen Kosten, die insbesondere aus der Verlegung neuer Glasfaserleitungen resultieren, nur in Ausnahmefällen bereit sind, ohne öffentliche Förderung die Versorgung sicherzustellen, engagieren sich zunehmend Kommunen und hier wiederum vor allem auch die Landkreise in diesem Handlungsfeld. Der Deutsche Landkreistag führt vor diesem Hintergrund bereits seit einiger Zeit Informationsveranstaltungen zum Thema Breitbandausbau mit wechselnden Partnern wie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem Branchenverband Bitkom oder dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) durch. Die letzte dieser Veranstaltungen fand am 13.9.2012 gemeinsam mit der Deutschen Telekom AG statt und stand unter der Überschrift „Kooperativer Glasfaserausbau im ländlichen Raum“.

Eröffnet wurde die gut besuchte Veranstaltung durch einen Vortrag des Beigeordneten beim Deutschen Landkreistag, Dr. Kay Ruge, der auf die allgemeine Bedeutung des Breitbandausbaus für die Entwicklung des ländlichen Raums einging und die Rolle der Landkreise dabei eingehend würdigte. Er hob hervor, dass eine Verbesserung der Versorgungssituation dringend erforderlich sei, wenn der ländliche Raum nicht seine Zukunftsfähigkeit verlieren solle. Es sei daher zu begrüßen, dass die Kommunen und namentlich die Landkreise sich für den Breitbandausbau engagierten. Gerade ein Engagement der Landkreise sei sinnvoll, denn über einen kreisweiten Ansatz könne eine tatsächlich flächendeckende Versorgung im gesamten Kreisgebiet erreicht werden. Deshalb sollten die Landkreise jedenfalls eine koordinierende Rolle übernehmen. Bund und Länder dürften die Kommunen insoweit allerdings nicht alleine lassen. Der Breitbandausbau sei mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Es bedürfe daher auch in Zukunft ausreichend dotierter Förderprogramme des Bundes und der Länder, die auf die Besonderheiten der Errichtung von Hochleistungsnetzen zugeschnitten sein müssten. Hilfreich seien auch besondere Finanzierungsprogramme, etwa durch die KfW.

Im Anschluss stellte Ulrich Adams, Vorstandsbeauftragter der Deutschen Telekom für den Breitbandausbau, die Lage aus der Sicht seines Unternehmens dar. Auch Adams hob hervor, dass in absehbarer Zukunft mit einer deutlichen Zunahme des Datenverkehrs zu rechnen sei. Er betonte die Bedeutung einer möglichst flächendeckenden Glasfaserversorgung. Je näher die Glasfaser „am Kunden sei“, desto höhere Bandbreiten seien möglich. Adams ging sodann auf die Ausbaustrategie der Telekom ein und erläuterte zunächst die Voraussetzungen eines profitablen Eigenausbaus, wie er derzeit in einer ganze Reihe von Mittelstädten stattfinde. Dort, wo die Telekom aus wirtschaftlichen Gründen die Ausbau nicht selbst stemmen könne, suche sie nach Kooperationspartnern. Diese müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllen, etwa über ein Kooperationsgebiet von mindestens 10.000 Haushalten verfügen oder Synergien wie Leerrohre und lokales Planungs-Know-How einbringen können. Neben Stadtwerken käme dabei auch kommunale Trägergesellschaften etwa der Landkreise in Betracht. Adams ging auch auf die Mobilfunk-Lösungen ein und betonte, dass insbesondere mit der neuen Technologie LTE (Long Termin Evolution) das Tor zu mobilen Hochgeschwindigkeitsnetzen aufgestoßen worden sei. Sein Unternehmen setze daher beim Breitbandausbau im ländlichen Raum auf einen Technologiemix und die enge Zusammenarbeit mit den Landkreisen und Gemeinden im ländlichen Raum.

In einem weiteren Vortrag wurde ein konkretes Kooperationsmodell präsentiert. Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, erläuterte das Breitbandausbauprojekt seines Landkreises. Dieses Projekt sei in zwei Stufen abgewickelt worden. Auf einer ersten Stufe seien 144 km neue Leerrohrtrassen mit Glasfaserkabel verlegt worden. Dadurch seien 62 bisher schlecht versorgte Ortsteile und 3 Industriegebiete an das Glasfasernetz angeschlossen worden. Das Glasfasernetz sei von den Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises geschaffen worden. Der Landkreis habe dabei eine wichtige koordinierende, beratende und unterstützende Funktion übernommen und den Netzausbau mit 2 Mio. Euro eigenen Mitteln zusätzlich gefördert. Der Netzbetrieb sei als Ergebnis einer entsprechenden Ausschreibung von der Telekom übernommen worden. Mit dem Projekt sei eine flächendeckende Versorgung aller Ortsteile im Landkreise mit bis zu 16 MBit/s gelungen. Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren des Ausbauvorhabens zählte laut Brötel neben dem engen Zusammenwirken aller Gemeinden und des Landkreises auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Telekom. Diese Einschätzung wurde von Irene Erbe, Leiterin Infrastrukturvertrieb Südwest der Telekom, geteilt.

Im Anschluss an diese ausführlichen Vorträge gab es noch eine Reihe von Kurzpräsentationen zu möglichen Kooperationsmodellen  sowie zu technischen und rechtlichen Aspekten des Glasfaserausbaus. Neben Mitarbeitern der Deutschen Telekom AG und des Deutschen Landkreistages stand auch der Leiter des Breitbandbüros des Bundes, Tim Brauckmüller, bereit, um die zahlreichen Fragen der Teilnehmer kompetent zu beantworten.

Dokumentation:

- Vortrag Ulrich Adams (Deutsche Telekom AG): Breitbandausbau in Deutschland - Die Deutsche Telekom als Partner von Kooperationsmodellen pdf

- Vortrag Jürgen Schneider (Deutsche Telekom AG): Glasfaserausbau im ländlichen Raum: Techniken und Synergien pdf

- Vortrag Axel Schüßler (Deutsche Telekom AG): Mehr Glasfaser für Deutschland: Mögliche Kooperationsmodelle pdf