Der Präsident des Deutschen Landkreistags, Landrat Reinhard Sager, hat die Kritik an der Impfstrategie von Bund und Ländern zurückgewiesen. „Es war allen klar, dass nicht Organisation und Logistik, sondern der zur Verfügung stehende Impfstoff der Flaschenhals sein würde“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Dienstagsausgabe). Es sollte also niemanden überraschen, „das erst einmal die Kapazitäten begrenzt sind“.

Die Diskussion in Deutschland schwanke von einem Extrem ins andere. „Vor wenigen Wochen hatten wir noch eine Diskussion darüber, ob es zulässig ist, so schnell einen Impfstoff überhaupt zu genehmigen.“ Jetzt werde darüber gestritten, warum es nicht schon viel früher viel mehr Impfstoffe gegeben habe. „Das befremdet mich offen gesagt“, sagte Sager. Er forderte die Länder auf, eine „bundeseinheitliche, langfristige, transparente Strategie“ für Schulen, Wirtschaft und Kultur zu beschließen. „Wir müssen wegkommen von der Methode, uns von einem Treffen der Ministerpräsidenten zum anderen durchzuhangeln.“

Für die Schulen schlug er eine Schul-Ampel vor. „Dann wäre klar, anhand welcher Parameter wir Präsenzunterricht, Hybridunterricht, Wechselunterricht oder Schulschließungen vornehmen. Nichts wäre schlimmer, als wenn wir wieder unsicher und kurzatmig durch die nächsten Wochen und Monate gehen.“ Eine solche Ampel sei auch auf Wirtschaft und Kultur übertragbar.

Sager kritisierte insbesondere die Behandlung kultureller Einrichtungen. „Jeder kennt Beispiele aus seinem Lebensumfeld, die einfach nicht stimmig geregelt sind und denen somit die Akzeptanz fehlt. Wir erlauben beispielsweise Abholservices im Handel, aber in einer Bibliothek, wo ein Hygienekonzept besteht, darf nicht einmal ein Buch kontaktlos ausgeliehen werden. So würgen wir Kultur und Bildung ab, wo es absolut nicht nötig ist“, sagte Sager.

 

 

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