Angesichts einer möglicherweise drohenden Energie-Knappheit im Winter arbeiten die Landkreise an Krisenplänen. Gleichzeitig prüfen sie Maßnahmen zum Einsparen von Gas, die jetzt schon umgesetzt werden sollen. Gegenüber der dpa gab der Präsident des Deutschen Landkreistages Landrat Reinhard Sager nachfolgendes Statement ab:

„Die entscheidende Frage ist, ob im kommenden Herbst genügend Energie zur Verfügung stehen wird. Daran kann man nach derzeitigem Stand durchaus zweifeln. Gleichwohl rate ich von Panikmache ab. Der Bund muss alles dafür tun, genügend Gas einkaufen zu können, um die Bedarfe zu decken. Notfalls durch Ersatzlieferungen zu höheren Preisen. Die Stützung von UNIPER mit dem möglichen Einstieg des Bundes wie bei der Commerzbank in der Finanzkrise oder der Lufthansa während der Pandemie sollten kein Tabu sein. Die kommunalen Gasversorger sind auf diese großen Zwischenhändler angewiesen."

Die Landkreise seien aktuell dabei, sich auf einen möglichen Gasmangel vorzubereiten. „Pläne werden erstellt, vor allem in Zusammenarbeit mit den Ländern. Wärmeinseln oder Wärmeräume gehören beispielsweise ebenso dazu wie das allgemeine Einstellen auf den Katastrophenfall. Aus einem Landkreis wissen wir, dass es im Notfall Schlafplätze für 5.000 Bürger in provisorischen Wärmehallen geben soll", so Sager.

Und weiter: „Sollte es tatsächlich in der kalten Jahreszeit dazu kommen, dass in Teilen Deutschlands die Gasversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann, brauchen wir ein abgestimmtes Vorgehen und eine gute Koordination zwischen Kommunen, Ländern und Bund. Die Bundesnetzagentur hat hier eine große Verantwortung. Dabei kann das im Aufbau befindliche Gemeinsame Kompetenzzentrum der Länder und des Bundes, an dem sich die kommunalen Spitzenverbände aktiv beteiligen, einen Beitrag leisten. Zu seinen Aufgaben gehören beispielsweise die Erstellung bundesweiter Lagebilder und das Zusammentragen von Informationen zu verfügbaren Ressourcen."

Es könne laut dem DLT-Präsident der Fall eintreten, dass nicht alle Landesteile gleich betroffen sind. „Denkbar ist, dass eine Familie in Norddeutschland von der Energieknappheit vergleichsweise wenig merkt, während in Süddeutschland die Reserven aufgebraucht sind. Wir müssen also in der Lage sein, die Bevölkerung vor den Folgen des Gasmangels zu schützen und orts- und situationsbezogen zu reagieren. Beispielsweise müssen dann Generatoren in die betroffenen Gebiete gebracht werden."

Die Landkreise hätten dabei auch die kommunale Infrastruktur im Blick, z. B. Schulen, Pflegeheime oder Krankenhäuser. „Zwar gibt es überall Pläne für kurzfristige Schadenslagen bei Stromausfällen oder Naturkatastrophen, aber eine länger ausdauernde Mangelsituation wäre nochmal etwas anderes. Die Landkreise rufen die Bevölkerung dazu auf, bereits jetzt mit Energie sparsam umzugehen. Auch viele Gemeinden haben schon Schritte unternommen oder planen dies: Sie fahren die Beleuchtung der öffentlichen Straßen und Plätze herunter oder schließen Hallenbäder. Ob das zum Herbst ausreicht, lässt sich aus heutiger Perspektive nicht einschätzen.“

 

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