Der Deutsche Landkreistag fordert angesichts der jüngsten Waldbrände eine bessere Vorbereitung auf solche Großschadenslagen. Neben einer modernen Ausstattung der Feuerwehren und einer leistungsfähigen Infrastruktur müsse vor allem der klimaresiliente Umbau der Wälder konsequent vorangetrieben werden. Die Schaffung einer neuen Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz lehnt der kommunale Spitzenverband hingegen ab. DLT-Präsident Landrat Dr. Achim Brötel sagte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „In den letzten Tagen und Wochen haben wir gleich an mehreren Stellen in Deutschland auf erschreckende Weise vor Augen geführt bekommen, dass die Waldbrandgefahr inzwischen auch bei uns allgegenwärtig ist. Das, was man früher eher aus Südeuropa gekannt hat, gehört jetzt also auch in Deutschland zur traurigen Lebenswirklichkeit.“
Umso wichtiger sei es, sich besser auf solche Ereignisse vorzubereiten. „Wenn es brennt, zählt jede Minute. Die Feuerwehren und die weiteren Einsatzkräfte müssen dann schnell, koordiniert und effizient handeln können“, so Brötel. Dafür seien eine bessere Zugänglichkeit über intakte Waldwege, verlässliche und ausreichend leistungsfähige Entnahmestellen für Löschwasser sowie moderne technische Hilfsmittel erforderlich. Dazu gehörten Drohnen zur Lageerkundung ebenso wie autonome Löschroboter. Zudem müsse geprüft werden, ob die Feuerwehren mit ihrer derzeitigen Einsatzkleidung für derartige Großereignisse angemessen ausgestattet seien. Über die Bewältigung akuter Gefahrenlagen hinaus müsse der Umbau der Wälder zu standortgerechten, vielfältigen und klimaresilienten Mischwäldern mit Nachdruck vorangetrieben werden. Brötel bezeichnete dies als Generationenaufgabe. Gleichwohl müsse die Klimafolgenanpassung gerade jetzt mit Konsequenz und Dringlichkeit angegangen werden.
Kritisch äußerte sich der DLT-Präsident zu Überlegungen, die Klimaanpassung als neue Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern: „Was wir dafür brauchen, sind zupackendes Handeln und ganz konkrete Lösungen. Diskussionen über die Aufnahme der Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe in das Grundgesetz führen dabei allerdings ganz sicher nicht weiter. Neue Mischfinanzierungen verwischen nur einmal mehr die Zuständigkeiten und garantieren zudem noch lange keine auskömmliche Finanzierung der Landkreise und Gemeinden.“ Eines der Grundprobleme Deutschlands bestehe darin, dass sich zu viele Akteure für zuständig hielten, am Ende aber niemand die Verantwortung trage. „Wir brauchen deshalb klare Regelungen und nicht noch mehr organisierte Verantwortungslosigkeit“, unterstrich Brötel. Auch die vom Bundespräsidenten unterstützte „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ habe zu Recht vor neuen Gemeinschaftsaufgaben gewarnt und stattdessen deren Begrenzung gefordert.
Entscheidend sei eine dauerhaft auskömmliche Finanzausstattung der kommunalen Ebene. Die Landkreise und Gemeinden benötigten ausreichend Personal und verlässlich verfügbare Mittel anstelle immer neuer Förderkonstruktionen und Sondertöpfe. Brötel abschließend: „Bund und Länder müssen die kommunale Ebene rasch, nachhaltig und ihrer Verantwortung entsprechend finanziell stärken. Eine neue Gemeinschaftsaufgabe ersetzt diese dauerhaft verlässliche Finanzausstattung der Landkreise und Gemeinden nicht, sondern sorgt nur für noch mehr Einmischung von Bund und Ländern in unsere kommunalen Belange.“