Der Präsident des Deutschen Landkreistages Dr. Achim Brötel hat am 26. Januar 2026 in Brüssel Gespräche mit hochrangigen Vertretern der Europäischen Union geführt. Im Fokus standen Umsetzungsfragen des EU-Asyl- und Migrationspakts aus kommunaler Sicht, der Schutz kritischer Infrastrukturen sowie die künftige Ausrichtung der EU-Förderpolitik.
Im Gespräch mit dem EU-Kommissar für Inneres und Migration, Dr. Magnus Brunner, warb Brötel für einen strukturierten und frühzeitigen Dialog zwischen EU-Kommission und dem Deutschen Landkreistag bei der Umsetzung des Asyl- und Migrationspakts. Ziel müsse es sein, europäische Vorgaben stärker an die praktischen Herausforderungen vor Ort anzupassen – insbesondere bei Unterbringung, Versorgung und Integration von Geflüchteten. Brötel bekräftigte zudem seine Forderung nach einem konsequenten Schutz der EU-Außengrenzen und die dortige Durchführung von Asylverfahren, Maßnahmen zur Begrenzung der Sekundärmigration sowie einer fairen Verteilung von Schutzsuchenden. Angesprochen wurden auch klare und einheitliche Perspektiven für den Aufenthaltsstatus ukrainischer Geflüchteter nach Auslaufen der Richtlinie über den vorübergehenden Schutz.
Im Europäischen Parlament tauschte sich der DLT-Präsident gemeinsam mit seinem Landratskollegen und DLT-Mitglied im Europäischen Ausschuss der Regionen Dr. Christoph Schnaudigel mit der Europaabgeordneten Lena Düpont (EVP), Koordinatorin der EVP im Ausschuss für Inneres und Migration des Parlaments, über Fragen des Zivil- und Bevölkerungsschutzes aus. Die Landräte hoben die zentrale Rolle der Landkreise beim Schutz kritischer Infrastrukturen hervor und forderten, kommunale Belange in europäischen Resilienz- und Vorsorgestrategien stärker zu berücksichtigen. Zugleich mahnten sie eine angemessene finanzielle Ausstattung kommunaler Maßnahmen im künftigen Mehrjährigen Finanzrahmen ab 2028 an. Mit dem Europaabgeordneten und stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Norbert Lins (EVP), diskutierte Brötel Fragen zu Umweltvorgaben aus der Wiederherstellungsverordnung und dem Mehrjährigen Finanzrahmen.
In weiteren Gesprächen mit Vertretern des Kabinetts des Exekutiv-Vizepräsidenten der EU-Kommission Raffaele Fitto zur Zukunft der EU-Förderpolitik unterstrichen Brötel und Schnaudigel die Notwendigkeit, ländliche Räume in der kommenden Förderperiode verbindlich stärker zu berücksichtigen. Sie forderten verlässliche strukturpolitische Investitionen und eine auskömmliche Finanzierung des LEADER-Programms.
Brötel erklärte: „Europa braucht praxistaugliche Lösungen. Die Landkreise sind zentrale Umsetzer europäischer Politik – ihre Erfahrungen müssen stärker in Entscheidungen und Förderstrukturen einfließen. Ich begrüße es, dass Kommission und Europäisches Parlament die Herausforderungen der Landkreise ernst nehmen und gemeinsam mit uns an Lösungen arbeiten wollen.“